Gaucho – ein Risiko
Studie: Mitschuld des Bayer-Pestizids für Bienensterben
(Neues Deutschland 24.11.03)
Nun ist es wohl amtlich. Das im vergangenen Jahr mit
der Prüfung der Wirkung des Pestizids Gaucho betraute Comité Scientifique et
Technique (CST) des französischen Landwirtschaftsministerium kommt in seinem
jetzt vorgelegten Untersuchungsbericht zu dem Schluss, dass das Gift für den Tod
hunderttausender Bienenvölker in Frankreich mitverantwortlich ist. Umwelt- und
Imkerverbände fordern deshalb ein Verbot des Agrogifts.
In der Zusammenfassung des Papiers heißt es: »In Bezug auf Bienensterblichkeit
und Orientierungsstörungen von Bienen stimmen die Ergebnisse der Studie mit den
Beobachtungen zahlreicher Imker in Regionen intensiver Landwirtschaft (Mais- und
Sonnenblumenanbau) überein. Die Saatgutbehandlung mit Gaucho stellt ein
signifikantes Risiko für Bienen in verschiedenen Altersstufen dar.« Nach Angaben
der Umweltgruppe »Coordination gegen Bayer-Gefahren« wurde die 108-seitige
Studie im Auftrag des Ministeriums von den Universitäten Caen und Metz sowie vom
Institut Pasteur erstellt.
Bei Sonnenblumen wurde der Einsatz von Gaucho in Frankreich schon vor vier
Jahren wegen des hohen Risikos für Bienen verboten. Das Bienensterben ging
daraufhin jedoch kaum zurück – Imker machen hierfür den großflächigen Einsatz
des Agrogifts im Maisanbau verantwortlich. Der Abschlussbericht des CST stützt
diese These: »Was die Behandlung von Mais-Saat mit Gaucho betrifft, so sind die
Ergebnisse ebenso Besorgnis erregend wie bei Sonnenblumen. Die Aufnahme von
belasteten Pollen kann zu einer erhöhten Sterblichkeit von Pflegebienen führen,
wodurch das anhaltende Bienensterben auch nach dem Verbot der Anwendung auf
Sonnenblumen erklärt werden kann.
Das Pestizid Gaucho (Wirkstoff Imidacloprid) wird vom deutschen Bayer-Konzern
hergestellt. Mit einem Umsatz von über 500 Millionen Euro jährlich ist der
Wirkstoff die Nummer 1 im Agro-Sortiment des Konzerns. In Deutschland wird es
unter den Markennamen Gaucho und Chinook vor allem in der Raps-, Zuckerrüben-
und Maisproduktion eingesetzt. Mit über einer Million Hektar Anbaufläche ist die
Behandlung von Raps für die Bienen besonders problematisch. Kritiker vermuten,
dass die hohen Verkaufszahlen der Grund sind, weswegen sich das Unternehmen
trotz der gravierenden Bienenschädlichkeit mit Händen und Füßen gegen das
drohende Anwendungsverbot wehrt.
Die von den Bieneninstituten in Deutschland vorgebrachte These, der Befall mit
Varroa-Milben sei für das Bienensterben verantwortlich, bezeichnet Fridolin
Brandt von der Coordination gegen BAYER-Gefahren als vorgeschoben: »Wir haben
seit 1977 mit Varroa-Milben zu tun, jahrzehntelang waren diese keine Gefahr.
Erst der großflächige Einsatz von Pestiziden und die damit einhergehende
Schwächung der Bienen führt zu den beobachteten Bienensterben.« Brandt ist seit
30 Jahren hauptberuflicher Imker.
Sowohl der französischen Imkerverbands Union National d´Apiculteurs (UNAF) als
auch der Deutsche Berufsimkerbund (DIBB) forderte nach der Vorlage des Berichts
des CST ein vollständiges Gaucho-Verbot. (ND)
Der Untersuchungsbericht des Comité Scientifique et Technique liegt vor bei
Imkerei Fridolin Brandt Tel.: (089) 8401530, E-Mail :
fridolin@imkereibrandt.de,
Coordination gegen BAYER-Gefahren, Tel: (0211) 333911, Mail:
CBGnetwork@aol.com
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